Zimmermann ermittelt (02) – Brandstiftung

Brandstiftung

Kommissar Zimmermann sah auf die Uhr. Es war Punkt Sieben am Montag Morgen. So früh sollte man in seinem Urlaub nicht wach werden. Wenn man denn überhaupt geschlafen hätte. Er rechnete schnell nach.
»Verdammt. Schon 72 Stunden wach. Ich sollte meine freien Tage eigentlich mit Entspannung verbringen und mich nicht so quälen.«
Er legte seinen Heftroman zur Seite. Mit einem ehemaligen Kollegen las er schon seit einigen Jahrzehnten Perry Rhodan. Allerdings hatte er es in der letzten Zeit etwas schleifen lassen. Er hing einige Hefte hinterher.
»2710. Nur noch vier Hefte. Dann bin ich wieder auf dem Stand der Dinge.«
Zwanzig Hefte hatte er in den letzten drei Tagen nachgeholt. Nun konnte er bald wieder mit dem Kollegen über die aktuelle Handlung diskutieren.
Doch dann klingelte sein Telefon. Schlecht gelaunt nahm er ab und knurrte ins Telefon.
»Ich hab Urlaub. Ich verbitte mir jede Art von Störung. Ich bin grad in den unendlichen Weiten des Alls unterwegs. Ich bin also ziemlich weit weg von der Erde.«
»Es ist was passiert.«, antwortete ihm sein neuer Assistent Inspektor Schmidt.

»Haben sie eigentlich eine Ahnung, wie ich mich gerade fühle?«
»Nicht anders, als an anderen Tagen?«, fragte Schmidt zurück und drückte dem Kommissar einen Kaffeebecher in die Hand. In der kurzen Zeit, die sie bereits miteinander arbeiteten, wusste Schmidt mittlerweile, dass sein Vorgesetzter erst dann zufrieden war und hoch konzentriert arbeiten konnte, wenn er seine Dosis Koffein bekam.
»Ich habe noch vier Perry Rhodan zu lesen. Was kann so wichtig sein, dass sie mich dabei stören?«
Er wartete keine Antwort ab und sah sich um. Das kleine Waldgebiet, in dem sie standen, hatte am späten Abend gebrannt und war in der Nacht von der Feuerwehr gelöscht worden. Nur noch hier und da stieg leichter Rauch auf. Alles noch kein Grund, Zimmermann aus dem Urlaub zu holen. Doch nach ein paar Metern standen sie vor einer Leiche.
»Faber, Mario. Er gehörte zur Freiwilligen Feuerwehr Deilinghofen. Allerdings war er beim Einsatz nicht dabei. Dafür gehen wir davon aus, dass er den Brand gelegt hat. Die Spurensicherung fand neben ihm zwei leere Blechkanister.«
»In Ordnung. Die Fakten sprechen also für sich. Wäre nicht der erste Feuerwehrmann, der zum Feuerteufel wird. Ein Unfall während einer Straftat. Damit sollte der Serienbrandstifter wohl gefunden worden sein, der sich hier in den letzten Monaten ausgetobt hat. Zwei Fälle auf einmal gelöst und das in nur fünf Minuten. Schließen sie die Sache ab. Dann lassen sie hier aufräumen. Ach, ja. Und dann tragen sie den heutigen Tag als neuen Geschwindigkeitsrekord im Fälle lösen im Kalender ein. Kann ich dann wieder nach Hause fahren?«
Zimmermann drehte sich herum und verließ die Fundstelle. Es war Zeit, sich wieder auf das Sofa zu verziehen. Er setzte sich in sein Auto, stieß dabei seinen Kaffee um und und fluchte laut vor sich hin, dass selbst sein Fernsehkollege Schimanski rote Ohren bekommen hätte.
»Jetzt muss ich mir auch noch neuen Kaffee besorgen.«
Er drehte den Zündschlüssel, gab Gas und hielt erst wieder vor dem Café an der Hönnetalstraße.
»Einen großen, starken Kaffee, aber Pronto.«, und setzte sich an einen der Tische, unweit einer Männerrunde, die ziemlich verschlafen aussah.
»Was für eine Nacht. So langsam hab ich die Nase voll. Ich hoffe, die finden endlich den Brandstifter. Ich träume mittlerweile schon von ständigen Einsätzen.«, maulte einer von ihnen. Offensichtlich waren das die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.
»Habt ihr eigentlich mitbekommen, dass der Tote im Wald Mario sein soll?«, warf ein anderer ein, der völlig blass im Gesicht war.
»Ich kann mir nicht vorstellen, dass er der Feuerteufel gewesen sein soll. Er war immer ein anständiger Kerl. Und er war ein paar Mal mit mir unterwegs, als die Brände ausbrachen. Er kann es nicht gewesen sein. Das muss jemand anderes gewesen sein. Die Polizei irrt sich bestimmt.«
»Dann war es seine Alte. Die hatte doch eh einen an der Waffel. Wollte sie nicht sogar mal die Scheidung?«
Zimmermann verschluckte sich am heißen Kaffee, vergoss etwas davon auf seiner Hose und hustete ein paar Mal kräftig.
»Zahlen!«, rief er der Bedienung zu.

Nur wenige Minuten später stand er mit Inspektor Schmidt vor dem Haus der Fabers. In der offenen Garage stand der Familienwagen.
»Sieht nach Walddreck aus. Tannennadeln, Moose. Alles recht frisch. Der Wagen muss wohl in letzter Zeit im Wald gewesen sein. Wir sollten mit der Witwe sprechen.«
Der Kommissar ließ sich nicht lange bitten, ging zielstrebig auf die Haustür zu und klingelte. Nach wenigen Sekunden wurde geöffnet.
»Frau Faber?«, fragte Zimmermann, während er mit seiner Dienstmarke wedelte. Dabei blickte er die Frau vor sich gar nicht an, sondern sah sich sofort im Flur hinter ihr um.
»Hab ich es mir doch gedacht.«
Sein geübter Blick entdeckte sofort die verschmutzten Damenschuhe. Ein Grinsen fuhr über das Gesicht des Kommissars.
»Damit hätten wir doch schon alles, was wir brauchen. Festnehmen, Schmidt. Den Rest sollten sie wohl allein schaffen. Ich muss mir jetzt endlich einen ordentlichen Kaffee in den Hals schütten.«
Damit war für Zimmermann der Fall erledigt. Er fuhr zurück ins Café und bestellte sich etwas zu trinken.
»Kaffee. So schwarz wie meine Seele.«, rief er zur Theke hinüber. Dann zog er grinsend seinen Perry Rhodan aus der Tasche und begann zu lesen.

(c) 2013, Marco Wittler

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