Fünf Zutaten – Kapitel 5 – Die vierte Zutat

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Am nächsten Montag Morgen klingelte das Telefon bereits Sturm, als das dreiköpfige Ermittlerteam gemeinsam vor der verschlossenen Bürotür stand.
»Nun machen sie schon, Schmidt.«, wurde Zimmermann ungeduldig. »Jetzt sperren sie endlich auf.«
Die Tür schwang ein paar Sekunden später auf und krachte gegen die Innenwand. Schmidt rannte zu seinem Schreibtisch und griff noch während des Lauf am Telefon vorbei. Krachend landete er auf dem Boden und schrie kurz vor Schmerz auf.
Statt ihm ging nun Szymański an den Apparat.
»Büro Zimmermann, die Dame des Hauses ist an diesem Ende der Leitung. Wer spricht?«
Schmidt, der mittlerweile wieder unter lautem Stöhnen auf die Beine gekommen war, reichte seiner Kollegin Papier und Stift, die sich sofort Notizen machte.
»Hm … ja … verstehe. Ja … ist mir klar … Ich werde es den anderen mitteilen. Wir kommen gleich.«
Sie legte auf und sah die gespannten Männer an.
»Wir sollen nach unten in die Wache kommen. Kollege Fiedler hat Morgen Geburtstag und wir haben uns noch nicht an seinem Geschenk beteiligt. Jeder soll fünf Euro geben.«
Schmidt schüttelte verzweifelt den Kopf. »Und dafür hab ich gerade meine Gesundheit riskiert. Na prima. Verdammt nochmal.«
Sie gingen also zu dritt eine Etage tiefer, zahlten ihren Obulus und gingen zurück zum Büro.
Erneut hörten sie das Klingeln des Telefons. Schmidt spürte bereits die bohrenden Blicke in seinem Rücken.
»Vergessen sie es. Alle Beide. Mir schmerzen jetzt noch meine Knie. Ich kann das nicht nochmal machen.«
»Ist schon gut, beruhigte ihn Zimmermann. Wenn es ein wichtiges Gespräch ist, wird der Anrufer solange warten, bis wir abnehmen.«
Genau so kam es. Der Kommissar schlurfte gemütlich in das gemeinsame Büro, nahm den Hörer zum Ohr und nahm den Anruf entgegen.
»Zimmermann hier, was gibt‘s?«
Notizen machen er sich keine einzige. Er hatte noch nie den Drang dazu gehabt, übermäßig zu schreiben. Seine Maschine, die sich in den unzähligen Verwindungen seines Gehirns verbarg, speicherte mehr Informationen, als man dachte.
»Ja, ist gut. Wir machen uns sofort auf den Weg.«
Er holte seine Dienstwaffe aus dem Bürosafe und steckte sie in das Holster unter seinem Mantel.
»Leiche Nummer Vier ist gefunden worden. Es könnte sein, dass der Täter noch vor Ort ist. Es gab verdächtige Geräusche. Auf geht‘s, Leute.«
Er seufzte. »Ich habe es befürchtet. Keinen Kaffee zum Tagesstart. Der Tag fängt ganz schlecht an.«

Dieses Mal ging es wieder Richtung Brockhausen. Das Ziel lag allerdings ein Stück dahinter. Kurz vor dem ehemaligen Rittersitz Gut Bäingsen hielten sie an einem Teich.
»Schau an, schau an. Wachtmeister Fiedler. Ein weiteres Mal treffen wir uns am Ort des Geschehens. Man könnte glatt auf den Gedanken kommen, dass sie der gesuchte Mörder sind. Feuer legende Feuerwehrmänner sind auch immer bei den Löscharbeiten dabei.«
Fiedler wurde blass im Gesicht. Er wirkte, als müsse er sich jeden Augenblick übergeben.
»Nun machen sie sich mal nicht ins Hemd. Das war ein Scherz. Sie sind bisher völlig unverdächtig. Aber wenn sie möchten, nehme ich sie in den erweiterten Kreis der Verdächtigen auf.«
Fiedler schüttelte den Kopf.
»Gut so. Dann erzählen sie mal, was sie bereits wissen.«
Fiedler bedeutete seinem Gegenüber mit dem Zeigefinger, dass er zum Teich schauen sollte.
»Wie sie selbst sehen, ist es nicht gerade viel. Die Leiche einer unbekannten Frau treibt dort im Wasser. Wir haben es bis jetzt unterlassen, sie zu bergen. Wir warten noch darauf, dass und die Kollegen einen Experten schicken. Wir dachten an einen Taucher oder Rettungsschwimmer.«
»Mal ganz ehrlich, Kollege.« Lena-Marie nahm den Wachtmeister zur Seite. »Ich mag sie ja irgendwie. Sie sind ein netter Kerl. Aber wie sind sie auf die Idee gekommen, einen Taucher oder Rettungsschwimmer hierher zu bestellen? Die Leiche treibt auf dem Wasser. Der Taucher würde nur seine Zeit verschwenden und für einen Rettungsschwimmer ist es eh schon viel zu spät. Jetzt heißt es Schuhe aus, Hose hochkrempeln und ab ins Wasser.«
Und da sie der Wachtmeister nur ungläubig ansah, wartete sie nicht weiter ab und zeigte ihm, wie man das machte.
Lena-Marie stieg in den Teich und war schnell bis zur Hüfte im Wasser verschwunden.
»Ist tiefer als ich dachte.«
»Sie sind ja auch kleiner als alle anderen hier.«, rief ihr Zimmermann zu. »Der große Fiedler wäre die bessere Wahl gewesen.«
»Dann müssten wir mit den Ermittlungen aber noch bis Morgen warten.«
Szymański hatte sich noch am Ufer Gummihandschuhe übergezogen. Damit griff sie nun die Leiche an den Schultern und zog sie dann rückwärts ans Ufer.
»Ganz toll. Jetzt hab ich mir meine neue Hose versaut. Den Dreck bekomme ich nie wieder raus. Hoffentlich ersetzt mir die Polizei den Schaden.«
Nun waren auch Zimmermann und Schmidt am Ufer und zogen die Tote aufs Trockene.
»Eine sehr junge Frau. Vielleicht 18 bis 20 Jahre alt, wenn sie überhaupt schon volljährig ist. Der übliche Schnitt durch die Kehle.«
Zimmermann hielt sich nicht lange mit den offensichtlichen Hinweisen auf, die sie eh schon alle kannten. Er suchte nach der vierten Zutat und dem passenden Brief.
»Hoffentlich sind die Sachen unversehrt und nicht vom Wasser zerstört.«
»Das glaube ich nicht.« Lena-Marie war sich sicher, dass sie eine brauchbare Spur finden würden.
»Der Täter ist ein eitler Selbstdarsteller, sonst würde er sich nicht so viel Mühe machen. Er will, dass wir Brief und Zutat finden. Also hat er auch dafür gesorgt, dass sie trocken bleiben.«
Der gefaltete Zettel steckte in einem kleinen Druckverschlussbeutel, die Zutat war ein kleines, verschlossenes Becherchen Kondensmilch, wie es sie in fast jedem Café gab.
»Hä? Kondensmilch? Wer kocht oder backt denn damit? Das macht doch keinen Sinn.«
also entnahm Zimmermann dem Beutel den Brief, faltete ihn auf und las, was geschrieben stand.
»Fünf Zutaten braucht es für ein gutes, ein wirklich richtig gutes Rezept. Einfach nur fünf Zutaten. Warum will das eigentlich niemand verstehen? Aber ihr fresst lieber Fertigzeugs.
Für diese Unverschämtheit sollt ihr alle verrecken. euer Blut soll die Welt besudeln. Wäre ich ein Metzger würde ich es zu guter Blutwurst verarbeiten. Aber das ist nicht meine Aufgabe. Ich arbeite lieber mit guter, frischer Milch.Es braucht auch gar nicht viel. Ein Schluck reicht mir schon. Damit wird es ein gutes Rezept.
Doch davon hast du nichts mehr, denn nun bist du meine Nummer Vier. Nach dir kommt nur noch einer. Dann steigt das große Finale.«
Szymański wiederholte noch einmal. »Fünf Zutaten: 500 Gramm Mehl, 250 Milliliter Wasser, ein Würfel Hefe und jetzt noch einen Schluck Milch. Seltsames Rezept. Ich verstehe es immer noch nicht. Und was meint er mit dem großen Finale? Was will er uns damit sagen? Kommt dann ein groß angelegter Massenmord?«

(c) 2018, Marco Wittler

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