Damals – Mein C64, Klötzchengrafik und ich

 

„Früher war alles besser“ – das war so ein Spruch, den man als Kind oder Jugendlicher oft um die Ohren geworfen bekam. Wenn das von Rentnern kam, war gleich der Gedanke bei Nazi-Deutschland und man konnte sich mit diesem „Besser“ nicht so wirklich anfreunden. Außerdem fehlte immer der Vergleich. Wir waren früher ja noch nicht da.
Heute kommt vielleicht dem einen oder anderen aus meiner Generation auch wieder dieser Spruch über die Lippen. „Früher war alles besser.“ Das ist wohl das Vorrecht der älteren Generation. Und ja, da gehöre ich mit Mitte 40 auch schon zu. Immerhin ist die Nächste bereits in den Startlöchern und kurz davor erwachsen zu werden. Da können wir Älteren noch mit Weisheit, Erfahrung und Wissen und Erinnerungen protzen.
Aber mal ehrlich. War wirklich alles besser? Mal schauen. D-Mark, Kugel Eis für 20 Pfennig, weniger Werbung im Fernsehen, die 80er mit ihrer genialen Musik, die heute immer noch gehört wird und den coolen, schrillen Outfits, die heute niemand mehr anziehen würde.
Im Fernsehen tolle Serien und Filme, die sich mit der Zeit zum Kult entwickelt haben. Gerade ganz aktuell bei uns zu Hause: und Große (15) schaut wirklich gern Serien. Aber nachdem sie einige aktuelle Staffeln durch hat, ist auf einmal das Interesse ganz groß an dem, was meine Jugend begleitet hat: Star Trek. Dieses Wochenende startet sie mit Captain Picard und seiner Enterprise in den Weltraum, in die unendlichen Weiten. Sie schaut sich Bücher über das Design der Serie an und hat einen riesen Stapel Sammelkarten im Schrank, den ich von damals noch behalten habe.

Ja, war wirklich eine gute Zeit. Aber ich denke es war nicht besser, nur anders. Jede Zeit hat ihre Vor- und Nachteile. Früher gab es keine Handys, kein Internet. Man war – vor allem für den Chef – nicht ständig in der Freizeit erreichbar. Dafür kann ich heutzutage aber im Falle eines Falles jederzeit Hilfe bekommen, wenn ich in Not bin und unterwegs Informationen abrufen,Wegbeschreibungen bekommen was in meiner Jugend einfach nicht ging.

Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ich schon ein wenig vermisse. Dazu gehört auf jeden Fall mein alter Brotkasten. Der kultige Commodore C64.

Mal kurz zu den technischen Daten:
1 MHz Prozessorgeschwindigkeit
64 Kb Arbeitsspeicher, wovon aber nur rund 38 verfügbar waren (Rest für Betriebssystem)
16 Farben
Betriebssystem Basic 2.0
Klötzchengrafik

Der Sound war grausam, die Kiste unglaublich langsam. Die Grafik rudimentär, an 3D Effekte noch gar nicht zu denken. Internet war noch nicht erfunden. Aber mit einem Akustikkoppler, in den man einen Telefonhörer stopfte, konnte man sich mit anderen Computern verbinden. Sowas war aber viel zu teuer und brauchte auch niemand.
Spiele gab es tausende. Gespeichert auf großen Disketten, die kaum Speicher zur Verfügung hatten. Deswegen sammelte sich mit der Zeit viel von dem Zeug an. Ich allein hatte über 400 Stück. Natürlich nicht gekauft, sondern schwarz kopiert von meinen Freunden.
Aber nicht nur die Software stapelten sich bei mir. Auch die Hardware. Ich besaß insgesamt drei C64 in verschiedenen Ausführungen, Farben, Bauarten. Dazu drei Diskettenlaufwerke (Floppys), einen original Monitor, den original 8-Nadel-Drucker der aber vom Werk her nur sieben besaß, extrem laut war und sehr langsam war. Ach ja. Und ganz viele Joysticks. Die brauchte man auch. Zum einen hatte jeder andere Vor und Nachteile bei bestimmten Spielen. Da würde also gewechselt. Zum anderen waren die Dinger etwas empfindlich und gingen immer wieder durch die Dauerbelastung kaputt.

Wenn man das mal reflektiert, war das noch sehr ursprünglich. Das geht heute mit Apps am Tablet viel einfacher. Aber der Spaßfaktor hat sich, zumindest für mich reduziert. Alles ist zu perfekt, zu schick, zu modern, manchmal auch einfach nur zu groß, überzüchtet und unübersichtlich.
Deswegen komme ich immer wieder auf meinen alten Brotkasten zurück. Die Originale haben zwar mittlerweile das Zeitliche gesegnet, aber heute gibt es ja andere Möglichkeiten. Es gibt Emulatoren. Am Tablet / Handy spielt man einfach mit den Fingern auf einem virtuellen Joystick, für den PC habe ich einen Joystick Nachbau mit USB Anschluss. Das ist echt praktisch. Und da es immer noch tausende Spiele gibt, die gratis zum Download auf diversen Seiten bereit stehen, kann ich immer noch in nostalgischen Erinnerungen schwelgen und mich an Klötzchengrafik und schlechtem Sound erfreuen. Wenn jetzt noch eine Eisdiele die Kugel für 20 Pfennig / 10 Cent verkauft, bin ich glücklich.

Es ist aber nicht so, dass ich nur gezockt habe. Okay, die meiste Zeit schon, teilweise auch mit meinen Kumpels ganze Nächte, aber ich konnte auch programmieren. Basic war sehr einfach, teilweise mit englischen Wörtern. Da ging schon was. Ich habe mir Vokabeltrainer geschrieben und später auch einen Buzzer programmiert. Der funktionierte wie im Fernsehen. Im CVJM veranstaltete ich Multimedia-Quizabende. Der C64 eigte mir an, welcher Kandidat als erstes gedrückt hatte, der Laptop warf per Beamer Videos an die Wand. Schon eine coole Sache. Das war einfacher und günstiger, als ein echtes Buzzersystem zu bauen.

Also, was das angeht, früher war schon das eine oder andere besser. Zumindest für mich und was das Computerspielen angeht.

(c) 2018, Marco Wittler

Ich bin nicht der Einzige, der sich mit Damals beschäftigt. Hier findest du noch andere gute Beiträge zum Thema.

Mit dabei sind diesmal:
04.06. – Elisa ** 05.06. – Annette ** 06.06. – Marco
07.06. – Tina ** 08.06. – Jörn

Hinweis: Die Links funktionieren erst am Erscheinungstag ab 8.00h 😉

4 Kommentare

  1. So einen hätte ich auch mit einer „neumodischen, flachen „Floppy und einem sogenannten Briefkasten. ZackmcKracken war mein Favorit genauso wie die Ugalympic 😂und ja, auch ich hab mit Kumpels nächtelang durchgezockt….

    • Caveman Ugh-lympics waren schon cool. Aber auch die diversen Olympiaden von Epics. War schon cool.
      Zac war nicnt so ganz meins. Hab ich gespielt, konnte es aber nie lösen. Das war schon beim Vorgänger Maniac Mansion so.

  2. Klasse, dass deine Tochter Star Trek entdeckt hat und deine Sammelkarten zu schätzen weiß :3 Ich muss gestehen, ich habe noch nie von einem Akustikkoppler gehört! Und richtiges „daddeln“ geht heute meines Erachtens auch nicht mehr, da stimme ich dir zu. Sehr cool auf jeden Fall, dass du damals schon programmiert hast! Der Text zu deinem Brotkasten mit Klötzchengrafik ließ mich immer wieder schmunzeln, danke dafür ^^
    Liebe Grüße aus der Nachtbäckerei
    Elli

    • Ich hab beim spontanen Schreiben auch die ganze Zeit schmunzeln müssen. Da kamen so viele Erinnerungen hoch. Die ganzen Daddelnächte mit Kumpels, die Musik, die uns dabei begleitet haben. Ist alles wieder da.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*