Mein kleiner Mond und ich (02) – Welt der Langweiler

Welt der Langweiler

Hallo Oma Sonne.

Heute erreicht Dich wieder eine Flaschenpost von mir, in der ich Dir davon berichte, was ich in der unendlichen Weite des Weltalls erlebt habe.
Mein kleiner Mond hat sich mächtig ins Zeug gelegt, dicke Backen gemacht und kräftig in unser Segel geblasen, um eine weite und anstrengende Reise zu unternehmen.
Unterwegs haben wir so viele Sterne gesehen, dass wir sie nicht zählen konnten. Bunte Nebel haben uns mit ihren Farben verzaubert und Kometen flogen mit uns um die Wette. Es war unglaublich aufregend. Aber irgendwann wollten wir wieder eine unbekannte Welt besuchen.
Eine große, rote Sonne lud uns ein, in ihrer Nähe Rast zu machen. In ihrer Nachbarschaft befanden sich einige Planeten, von denen einer unsere Neugier weckte. Also landeten wir recht bald mit in einer großen Stadt.
Die Stadt gefiel uns wirklich gut. Die Häuser waren riesig, in den Straßen tummelten sich ganz viele Menschen. Es war alles richtig sauber und ordentlich. Hinter jeder zweiten Ecke befand sich ein grüner Park mit Bäumen, Büschen und Wiesen, der für frische Luft sorgte und zum Verweilen einlud. Und in einem davon fiel uns zum ersten Mal auf, dass etwas auf dieser Welt nicht in Ordnung war.
Die Menschen waren freundlich. Niemand sprach ein böses Wort zu einem anderen, niemand war unfreundlich. Allerdings hatte auch niemand von ihnen Spaß. Sie trugen alle graue Klamotten an ihren Körpern und schienen sich auch sonst rund um die Uhr zu langweilen. Ich hätte nie gedacht, dass es einen Planeten voller Langweiler geben würde. Aber hier was das tatsächlich der Fall.
Nur zu gern wäre ich sofort wieder davon geflogen, um eine lustigere Welt besuchen. Aber mein kleiner Mond war anderer Meinung. Er war davon überzeugt, dass man den Menschen hier unbedingt helfen müsste. Und das könnte niemand anderes besser als ich.
Ich konnte mir das natürlich nicht mal in meinen Träumen vorstellen. ein kleines Mädchen kann keine ganze Welt verändert.
Oder vielleicht doch?
Ich musste viel darüber nachdenken, ging in einen der vielen Parks und setzte mich an einen Springbrunnen, aus dem das Wasser nur so sprudelte. Dabei wunderte ich mich schon sehr, dass diese Langweiler so viel Sinn für Schönes hatten, aber gar keine Ideen, damit auch Spaß zu haben.
Und dann fiel mir plötzlich etwas ein. Ich musste ganz frech grinsen und sah mich suchend um. Schnell fand ich einen großen Supermarkt, in dem ich ein paar Sachen kaufte. Geld hatte ich keines, deswegen bezahlte ich mit wertvollem Sternenstaub.
Kurz darauf war ich wieder zurück am Brunnen und schüttete eine Packung Waschpulver in das Wasser.
Es dauerte ein wenig, bis die Wirkung einsetzte. Erste Blubberblasen entstanden. Dann wurden sie schnell mehr und vereinten sich zu einer dünnen Schicht weißem Schaum. Dieser bäumte sich zu einem riesigen Berg auf, der sich dann um den ganzen Brunnen herum verteilte.
Ich begann laut zu Jubeln und rief immer ‚Schaumparty, Schaumparty‘.
Verwunderte Menschen blieben stehen und sahen mich verwirrt an. So eine kleine, wilde Hummel wie mich hatten sie noch nie erlebt.
‚Los, spielt mit!‘ rief ich ihnen entgegen. Einen nach dem anderen nahm ich an die Hand und zog sie in den Schaum hinein. War das herrlich.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel Spaß wir gemeinsam hatten, die Langweiler zum ersten Mal in ihrem Leben.
Das Ganze hat sich dann natürlich sehr schnell herumgesprochen. Innerhalb kürzester Zeit war überall auf dem Planeten das Waschpulver ausverkauft. In jedem Brunnen, in jedem Park, in jeder Stadt sprudelte der Schaum und die Menschen feierten den neu entdeckten Spaß.
Mit einem Lächeln im Gesicht und einem guten Gefühl machten dann mein kleiner Mond und ich uns wieder auf den Weg, eine neue Welt zu entdecken, von der wir dir berichten können. Auf der Reise dort hin, habe ich mir dann die Zeit genommen, dir diesen Brief zu schreiben. Ich hoffe, dass dich meine Flaschenpost schon bald erreichen wird.

Liebe Grüße,
dein kleines Mädchen mit dem kleinen Mond.

(c) 2018, Marco Wittler

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